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Baldrian

Valeriana officinalis

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Inhalt (10)
  1. Fast jede zweite Katze
  2. Ein Geruch aus der Trocknung
  3. Vom Wildstandort aufs Feld
  4. Wofür die Wurzel gekauft wird
  5. Warum die dünnen Wurzeln zählen
  6. Was Wärme im Lager kostet
  7. Qualität und Prüfung
  8. Verwandte Rohstoffe
  9. Zum Nachschlagen: Einordnung
  10. Zum Nachschlagen: Was in die Anfrage gehört

In einer Studie reagierte fast jede zweite Katze auf Baldrianwurzel. Woher ihr Geruch kommt, wo das Öl sitzt und was Wärme im Lager kostet.

Kurzübersicht

GesuchtWorauf achten
Schnitt für TeeGehalt nach Europäischem Arzneibuch (Ph. Eur.) 2526, Pyrrolizidinalkaloide nach Risikobewertung
ganz oder zerkleinertGehalt nach Ph. Eur. 0453
Pulver für KapselnGehalt mit Analysendatum, Identität, Schwermetalle, Bestrahlung
Muster, ganz oder geschnittenfeine Wurzeln, Reinheit
jede FormLagerung, Herkunft

Fast jede zweite Katze

In einer Socke, 15 Gramm getrocknete Baldrianwurzel: So bekamen 100 Hauskatzen die Ware in einer Studie vorgelegt. 47 von ihnen reagierten. Auf Katzenminze sprachen 68 an, auf Tatarische Heckenkirsche 53, auf die Silberrebe sogar 79. (Bol u. a. 2017)

Wie viele von 100 Katzen auf vier Pflanzen reagierten — Von 100 Hauskatzen reagierten 79 auf Silberrebe, 68 auf Katzenminze, 53 auf Tatarische Heckenkirsche und 47 auf Baldrianwurzel.

Nicht jeder Mensch mag den Geruch. In Aufgussbeuteln aus Teneriffa fanden sich Zusätze wie Anis, Fenchel oder Minze, die Geruch und Geschmack überdecken sollen. (Bol u. a. 2017, Jáudenes-Marrero u. a. 2026)

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Ein Geruch aus der Trocknung

Ihren intensiven Geruch entwickelt die Baldrianwurzel nach Ernte und Trocknung. Dann spaltet sich Isovaleriansäure aus den Valepotriaten ab, instabilen Begleitstoffen der Wurzel. Im ätherischen Öl polnischer Herkünfte erreichte freie Isovaleriansäure bis zu 6,2 Prozent. (Pharmazeutische Zeitung 2023, Raj u. a. 2023)

Vom Wildstandort aufs Feld

Lange wurde Baldrianwurzel wild gesammelt; mit der Nachfrage kam der Anbau. Polen gehört zu den größten Erzeugern Europas: Seit den 1950er-Jahren wählen Landwirte aus Wildpopulationen Pflanzen mit schweren Wurzeln aus, so entstand die Landsorte ‚Lubelski'. (Bączek u. a. 2022, Raj u. a. 2023)

Die Jahresernte in Polen liegt bei über 1.000 Tonnen, der Bedarf allein in Deutschland bei rund 1.000 Tonnen getrockneter Wurzel, etwa 4 Millionen Euro – beides zitierte ältere Angaben. (Jurowski u. a. 2022, Penzkofer u. a. 2018)

geschnittene Baldrianwurzel
geschnittene BaldrianwurzelVerbena VH Handels GmbH · © Verbena VH Handels GmbH

Bei Becayo (Stand 02.10.2026) liegt hier ein Angebot geschnittener Wurzel aus Polen; weitere, auch Feinschnitt und gemahlen, unter Baldrianwurzel.

Wofür die Wurzel gekauft wird

Etabliert ist die Wurzel als Arzneirohstoff. In Deutschland steckt sie laut einer zitierten älteren Angabe in rund 86 pflanzlichen und homöopathischen Präparaten. Arzneimittel mit zerkleinerter Wurzel gibt es laut EMA meist als Tee, zum Einnehmen oder als Badezusatz. (EU-Monographie, Penzkofer u. a. 2018, EMA)

Daneben ist die Wurzel Aromazutat, etwa für Spirituosen, und Zutat von Nahrungsergänzungsmitteln; ihr Öl gilt als Duftrohstoff. Wie Katzenminze wird sie als Katzenspielzeug verkauft, günstig und leicht zu beschaffen. (Stoffliste, Bacińska u. a. 2023, Bol u. a. 2017)

Warum die dünnen Wurzeln zählen

Baldrianwurzel ist mehr als eine Wurzel. Gehandelt wird der ganze unterirdische Teil: ein Wurzelstock mit einem dichten Geflecht dünner Wurzeln und einigen Ausläufern. So fasst sie auch Ph. Eur. 0453, für Valeriana officinalis als Sammelart. (Penzkofer u. a. 2018, EMA-Beurteilungsbericht)

Je dünner die Wurzel, desto höher der Ölgehalt, so eine frühere Auswertung. Forscher zählten die Öltröpfchen in 678 Wurzelschnitten von fünf ausgewählten Pflanzen: Im Schnitt lagen 43 Prozent der gezählten Tröpfchen in den äußeren Zellschichten. Gezählt wurden Tröpfchen, nicht die Ölmenge; wie sich die übrigen verteilten, hing von Pflanze, Wurzeldicke und Erntetiefe ab. Die dünnsten Wurzeln wachsen am tiefsten und gehen bei der Ernte am leichtesten verloren. Die Autoren empfehlen schonende Ernte und Nacherntebehandlung. (Penzkofer u. a. 2018)

Was Wärme im Lager kostet

Wärme kostet schon vor dem Lager. Bei 40 statt 15 °C getrocknet, enthielt die Wurzel in einem Versuch 23 Prozent weniger Valerensäuren; zwischen 40 und 50 °C gingen weitere 36 Prozent verloren. Empfohlen wird, so kühl zu trocknen, wie es praktisch geht. (Shohet, Wills 2006)

Auch getrocknet altert die Ware. Im Versuch lagerte gemahlene Baldrianwurzel sechs Monate bei 5, 14 und 30 °C und drei Stufen Luftfeuchte. Die Valerensäure nahm über die Zeit ab. Als Valerensäure berechnet das Arzneibuch den Mindestgehalt an Sesquiterpensäuren, einer Stoffgruppe der Wurzel. (Wills, Shohet 2009, EMA-Beurteilungsbericht)

Trocken allein schützt nicht. Die Autoren schließen: Am besten bleiben die Valerensäuren unter etwa 14 °C erhalten, die Luftfeuchte zählt dann wenig. Feuchte Luft hielt die Valerensäure bei Wärme besser; das halten die Autoren wegen Keimgefahr aber nicht für praktikabel. Gepulverte Wurzel erwies sich in einer zweiten Stabilitätsprüfung als empfindlicher als ein alkoholischer Extrakt. (Wills, Shohet 2009, Goppel, Franz 2004)

Ein Analysenzertifikat zeigt den Gehalt nur am Tag der Prüfung. Analysendatum, Chargenalter und Lagerbedingungen gehören dazu.

Qualität und Prüfung

Sichtprüfung ist Vorauswahl, kein Ersatz für das Analysenzertifikat.

„Baldrian" auf der Packung heißt nicht immer reine Wurzel. Auf Teneriffa enthielt von sieben als „Baldrian" verkauften Aufgussbeuteln nur einer reine Baldrianwurzel, die übrigen 15 bis 80 Prozent – sieben Beutel von einer Insel, keine Marktübersicht; ob die Mischung deklariert war, sagt die Studie nicht. (Jáudenes-Marrero u. a. 2026)

Was man am Muster sieht

  • Feine Wurzeln (ganz und geschnitten) – dort ist der Ölgehalt höher (siehe oben), und gerade sie gehen bei der Ernte leicht verloren
  • Reinheit – Erde und Sand, Stängelreste, fremde Pflanzenteile, Schimmel, Schädlinge
  • Geruch – entsteht nach Ernte und Trocknung (siehe oben); als Zeichen für den Gehalt ist er nicht belegt

(Penzkofer u. a. 2018, Pharmazeutische Zeitung 2023)

Was nur Labor und Zertifikat zeigen

Bestrahlung zeigte sich im Labor, nicht auf dem Etikett. In einer Pilotstudie trugen 7 von 15 Proben aus in Polen gekauften Präparaten Merkmale früherer Bestrahlung, kein Etikett wies darauf hin – keine Zufallsstichprobe, und auf welcher Stufe bestrahlt wurde, ließ sich nicht sagen. (Chmielewski u. a. 2026)

  • Identität – Valeriana officinalis, Wurzel; Mexikanischer Baldrian ist eine andere Art
  • Gehalt – ganz oder zerkleinert (Ph. Eur. 0453): mind. 4 ml/kg ätherisches Öl, mind. 0,17 % Sesquiterpensäuren; Teeschnitt (2526): mind. 3 ml/kg, mind. 0,10 % (Monographien Stand 07/2015)
  • Analysendatum und Lagerung – Chargenalter, Lagertemperatur
  • Aus dem Anbau – Pyrrolizidinalkaloide (PA), Stoffe, die manche Beikräuter bilden und die bei der Ernte in die Ware gelangen können: für Tee nach eigener Risikobewertung untersuchen; Kräutertee (getrocknet) höchstens 200 µg/kg als Summe der PA nach Verordnung (EU) 2023/915. Pflanzenschutzmittel: Rückstandshöchstgehalte je Wirkstoff nach Verordnung (EG) 396/2005; wo keiner festgesetzt ist, gilt 0,01 mg/kg
  • Aus der Behandlung – Bestrahlung: Erklärung „nicht bestrahlt", bei Bedarf Labortest (Thermolumineszenz)
  • Schwermetalle als Nahrungsergänzungsmittel (Verordnung (EU) 2023/915) – Blei 3,0, Cadmium 1,0, Quecksilber 0,10 mg/kg
  • Schwermetalle als Arzneidroge (allgemeine Arzneibuch-Monographie „Pflanzliche Drogen", 1433; die Baldrian-Monographie setzt keine eigenen) – Blei 5,0, Cadmium 1,0, Quecksilber 0,1 ppm (mg/kg)

(EMA-Beurteilungsbericht, VO (EU) 2023/915, Galinytė u. a. 2023, Tábuas u. a. 2024, BfR, Ph. Eur. 1433, VO (EG) 396/2005)

Verwandte Rohstoffe


Zum Nachschlagen: Einordnung

BereichStand
ArzneimittelEU-Monographie 2016: ein Trockenextrakt in „allgemeiner medizinischer Verwendung", weitere Zubereitungen traditionell; Wurzel nach Ph. Eur. 0453. Überprüfung seit 2025 (Stand 11.03.2026)
LebensmittelStoffliste von Bund und Ländern: Beschränkung empfohlen (Liste B), kritisch: Valepotriate
Novel Foodkein Eintrag für Valeriana im EU-Katalog (Stand 27.09.2026) – allein kein Beleg, dass ein Produkt zulässig ist

(EU-Monographie, EMA, Stoffliste, Novel-Food-Katalog)

Zum Nachschlagen: Was in die Anfrage gehört

  • Art und Teil – Wurzel von Valeriana officinalis
  • Form und Gehalt – ganz, Schnittgröße oder Pulver; Ph. Eur. 0453 oder 2526
  • Herkunft, Bio, Menge, Lieferzeitraum
  • Muster – vor der Bestellung, zur Sichtprüfung
  • Analysenzertifikat je Charge – mit Analysendatum; Identität, Gehalt, Schwermetalle nach Verwendung (Nahrungsergänzungsmittel oder Arzneidroge), Pflanzenschutzmittel, Bestrahlung; für Tee nach Risikobewertung Pyrrolizidinalkaloide

Literatur (Thema in Klammern; geprüft 27.09.–04.10.2026, Rechtswerte abgeglichen am 05.10.2026; Verordnungen und Arzneibuch nicht im Rechtstext geöffnet)

Alle Quellen anzeigen (17 weitere)
  • Penzkofer u. a., Plant Methods 2018 (Ölverteilung in der Wurzel), doi:10.1186/s13007-018-0309-4
  • Wills, Shohet, Food Chem 2009 (Valerensäuren in der Lagerung), doi:10.1016/j.foodchem.2008.12.011
  • Shohet, Wills, J Sci Food Agric 2006 (Valerensäuren beim Trocknen), doi:10.1002/jsfa.2333
  • Goppel, Franz, Pharmazie 2004 (Stabilität von Pulver und Extrakt), PMID 15248459
  • Jurowski u. a., Biol Trace Elem Res 2022 (Baldrianpräparate), doi:10.1007/s12011-021-02779-y
  • Jáudenes-Marrero u. a., Foods 2026 (Baldrian auf Teneriffa), doi:10.3390/foods15050958
  • Chmielewski u. a., Molecules 2026 (Bestrahlung), doi:10.3390/molecules31173016
  • Galinytė u. a., Plants 2023 (Schwermetall-Höchstgehalte für NEM), doi:10.3390/plants12173150
  • Tábuas u. a., Toxins 2024 (Pyrrolizidinalkaloide in Lebensmitteln), doi:10.3390/toxins16020079
  • Bacińska u. a., Plants 2023 (99 Duftrohstoffe), doi:10.3390/plants12213777
  • Fürst, Zündorf, Pharmazeutische Zeitung 2023 (Klassiker und Exoten)
  • EMA/HMPC: EU-Monographie, Beurteilungsbericht 2016; Valerianae radix, Stand 11.03.2026
  • Verordnung (EU) 2023/915 über Höchstgehalte für bestimmte Kontaminanten in Lebensmitteln, Anhang I, eli/reg/2023/915
  • Verordnung (EG) Nr. 396/2005 über Höchstgehalte an Pestizidrückständen
  • Europäisches Arzneibuch, Allgemeine Monographie „Pflanzliche Drogen" (1433), Ph. Eur. 8.0
  • BfR: Fragen und Antworten zu Pyrrolizidinalkaloiden in Lebensmitteln, Stand 16.12.2022
  • BVL: Stoffliste · EU-Kommission: Novel-Food-Katalog

Auch bekannt als

Valeriana officinalisValerianValerian root and rhizomeCommon valerianGarden heliotropeBaldrianKatzenwurzelBaldrianwurzel
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