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Geschälte Hanfsamen im Einkauf: wofür sie verwendet werden, was im Kern steckt, woher THC an der Ware kommt und warum Frische zählt.
Hanfsamen sind die Früchte des Nutzhanfs, botanisch kleine Trockenfrüchte mit je einem Samen: außen eine harte Schale, innen ein weicher Kern mit viel Fett und Protein. Geschält kommen sie ins Müsli und in Cerealien, in Brot und Backwaren, in Riegel und Snacks und als Topping auf Salat, Bowl oder Joghurt. Aus den Samen entstehen außerdem Hanfdrinks, und aus dem Presskuchen, der beim Ölpressen zurückbleibt, Hanfprotein und Hanfmehl.
| Ware | Was es ist | Hinweis |
|---|---|---|
| Hanfsamen geschält („Hanfherzen") | der Kern ohne Schale | Thema dieser Seite |
| Hanfsamen ungeschält | das ganze Korn mit Schale, reich an Ballaststoffen | eigenes Material: Hanfsamen ungeschält |
| Hanfsamenöl, Hanfprotein, Hanfmehl | aus den Samen gepresst bzw. aus dem Presskuchen | eigene Waren, siehe Kasten unten |
Für den Einkauf zählen vor allem drei Punkte:
- THC: Der Samen bildet kein THC, kann es aber bei Ernte und Verarbeitung von außen aufnehmen. In der EU gilt für Hanfsamen ein Höchstgehalt von 3,0 mg/kg Δ9-THC-Äquivalenten; das Analysenzertifikat sollte die Einhaltung je Charge belegen. (BVL 2025)
- Frische: Das Fett besteht überwiegend aus mehrfach ungesättigten Fettsäuren und oxidiert leicht. Erntejahr, Schäldatum und die Peroxidzahl (ein Maß für beginnende Fettoxidation) gehören in die Anfrage.
- Zusammensetzung: Fett und Protein schwanken zwischen Handelsproben deutlich. Sie gehören in die Spezifikation.

Was im geschälten Hanfsamen steckt
Geschälte Hanfsamen bestehen zu rund einem Drittel aus Protein und zu etwa 40 bis 50 % aus Fett; das Hauptprotein ist Edestin. Ganze Samen liegen niedriger, bei 20–25 % Protein und 25–35 % Fett, weil die Schale mitwiegt; ohne sie steigen beide Anteile etwa um das Anderthalbfache. (Burton u. a. 2022)
Für die Rezeptur heißt das: Fett- und Proteingehalt streuen zwischen Handelsproben um mehrere Prozentpunkte; ein Literaturwert ersetzt die Angabe je Charge nicht.
Das Fett ist überwiegend mehrfach ungesättigt: Linolsäure (Omega-6) stellt gut die Hälfte der Fettsäuren, α-Linolensäure (Omega-3) rund 10 bis 22 %. Das macht die Ware empfindlich für Oxidation (unten, Lagerung). (Burton u. a. 2022)
Geschält oder ungeschält: zwei getrennte Waren
Bei untersuchten Sorten machte die Schale etwa ein Viertel bis ein Drittel des Korns aus, und sie trägt einen großen Teil der Ballaststoffe. Das setzt sich bis in den Presskuchen fort: In einem Versuch enthielt Kuchen aus geschälten Samen nur rund ein Fünftel der Ballaststoffe von Kuchen aus ganzen Samen, dafür mehr Protein. (Ambroziak, Wenda-Piesik 2025)

Ungeschälte Samen sind deshalb eine eigene Ware mit anderer Zusammensetzung. Wir führen sie als eigenes Material unter Hanfsamen ungeschält, so wie bei Kürbiskernen die Kerne ohne Schale getrennt geführt werden.
Woher THC an Hanfsamen kommt
Der Samen selbst bildet kein THC. Hanf bildet seine Cannabinoide in Drüsenhaaren, und die sitzen vor allem an Blütenständen und Blättern; Samen tragen keine. THC gelangt bei Ernte und Verarbeitung von außen an das Korn, durch Kontakt mit dem Harz der übrigen Pflanze. Es haftet überwiegend an der Oberfläche und in der Samenschale. Wie viel an einer Charge hängt, richtet sich nach Sorte und Reinigung. (BfR 2022)

Seit dem 1. Januar 2023 gilt in der EU ein Höchstgehalt: 3,0 mg/kg Δ9-THC-Äquivalente für Hanfsamen, gemahlene Hanfsamen, teilweise entfettete Hanfsamen und andere verarbeitete Hanfsamenerzeugnisse außer Hanfsamenöl, 7,5 mg/kg für Hanfsamenöl (VO (EU) 2023/915, Anhang I Nr. 2.6). Die oft genannten 0,3 % THC sind dagegen eine Grenze für Sorten und Anbau, kein Höchstgehalt für Lebensmittel. (BVL 2025)
Der Höchstgehalt gilt für die Summe aus THC und THC-Säure (THCA), diese umgerechnet mit dem Faktor 0,877; das Ergebnis heißt Δ9-THC-Äquivalente. Das Analysenzertifikat sollte sie nennen, also THCA mit erfassen. (EFSA 2025)
Wie nötig der Wert je Charge ist, zeigen amtliche Proben aus Deutschland: Der Median lag niedrig, die höchste Probe aus der Zeit vor dem Höchstgehalt aber weit über dem heutigen Wert (Messwerte im Nachschlageteil). (Dräger u. a. 2022)
Qualität und Prüfung
Was man am Muster sieht. Reinheit: Fremdbestandteile, Staub, Schädlingsbefall und Schimmel. Zustand: Beim Schälen können Samen brechen; wie viel Bruch und Restschale zulässig ist, legt die Spezifikation fest. Die Sichtprüfung ist eine Vorauswahl, kein Ersatz für das Analysenzertifikat. (Mendoza-Pérez u. a. 2024)
Was nur das Labor zeigt.
- Gehalt: Fett und Protein je Charge, gegen die Spezifikation (oben).
- THC: Δ9-THC-Äquivalente, höchstens 3,0 mg/kg (oben).
- Frische: Peroxidzahl mit Analysendatum.
- Mikrobiologie: Salmonellen gehören auf die Prüfliste. In Deutschland ging 2010 ein Salmonellen-Ausbruch auf ein Erzeugnis mit Hanfsamenmehl zurück. (Stöcker u. a. 2011)
- Mykotoxine: In Handelsproben war geschälte Ware deutlich geringer mit Giftstoffen von Schwärzepilzen (Alternaria-Toxinen) belastet als ganze, bei wenigen Proben (Werte im Nachschlageteil). Mykotoxine je Charge im Zertifikat erfragen. (Bertuzzi u. a. 2026)
- Schwermetalle: Cadmium schwankt je nach Herkunft stark. Den Wert im Analysenzertifikat verlangen, zusammen mit dem Anbauland. (Matyjaszczyk, Śmiechowska 2026)
- Pflanzenschutzmittel: Rückstände im Analysenzertifikat verlangen.
Herkunft und Lagerung
Kanada zählt zu den großen Erzeuger- und Exportländern für Hanf (Stand 2020). In der EU nennen Übersichten unter anderem Frankreich und Rumänien als Anbauzentren. Das Anbauland gehört in jede Anfrage. (Farinon u. a. 2020)
Die vielen ungesättigten Fettsäuren machen Hanfsamen anfällig für Oxidation durch Wärme, Licht und Luft; empfohlen wird eine Lagerung bei 8–15 °C. In Versuchen oxidierten Erzeugnisse aus geschälten Samen, ein Presskuchen und ein Fleischbrot, leichter als solche aus ganzen. Für den Einkauf heißt das: Erntejahr und Schäldatum erfragen, Mengen nach Verbrauch planen, angebrochene Ware dicht verschließen. (Tănase Apetroaei u. a. 2024)
Von Hanf werden außerdem gehandelt
- Hanfsamenöl: kalt gepresst aus den Samen, für die kalte Küche, nicht zum Frittieren; eigener THC-Höchstgehalt (oben).
- Hanfprotein und Hanfmehl: aus dem Presskuchen; Proteinkonzentrate erreichen bis rund 71 % Protein. (Burton u. a. 2022)
- Hanfblätter: Der Lebensmittelstatus der Blätter ist eigens zu prüfen; CBD stammt vor allem aus Blüten und Blättern, an Samen finden sich typischerweise allenfalls Spuren an der Oberfläche. (EFSA 2026)
- Hanffasern: als eigenes Material geführt.
Zum Nachschlagen: Messwerte aus Untersuchungen
- Ganz gegen geschält: Sorte Jubileu, Nordwest-Rumänien, drei Wiederholungen — Rohprotein 25,1 % ganz und 33,8 % geschält, Rohfett 31,5 % und 48,1 % (Werte im Diagramm oben). (Mierlita 2026)
- Geschälte Handelsware: sechs Proben, von einer Übersichtsarbeit aus früheren Untersuchungen zusammengetragen — 37,6–52,3 % Fett, 30,3–38,7 % Protein. (Burton u. a. 2022)
- Fettsäuren im Hanfsamenöl: Übersichtsarbeit — Linolsäure 51,6–59,0 %, α-Linolensäure 10,5–22,0 % der Fettsäuren. (Burton u. a. 2022)
- Hauptprotein: Edestin, je nach Untersuchung 60–80 % des Gesamtproteins. (Tănase Apetroaei u. a. 2024)
- Schalenanteil: drei Sorten, Feldversuch Spanien 2020 — 26–33 g Schale je 100 g ganzer Samen. (Mendoza-Pérez u. a. 2024)
- Presskuchen: Sorte Henola, Polen — Ballaststoffe 6,9–8,0 % aus geschälten gegen 37,2–41,3 % aus ungeschälten Samen, Rohprotein 41,2–42,2 % gegen 28,4–31,4 %; Peroxidzahl in sechs Monaten Lagerung 1,2 → 6,8 meq O₂/kg (geschält) gegen 0,1 → 4,1 (ungeschält). (Ambroziak, Wenda-Piesik 2025)
- THC am Samen: Faser- und Drogenhanfsamen, Untersuchung von 2000, Probenzahl nicht angegeben — der Großteil des THC an der Oberfläche, eine kurze Wäsche mit einem Lösungsmittel entfernte rund 90 %. (Ross u. a. 2000)
- THC in amtlichen Proben: 93 Samenproben aus Deutschland, 2012–2021, also vor dem heutigen Höchstgehalt — Median 0,4 mg/kg, höchster Wert 196 mg/kg. (Dräger u. a. 2022)
- Alternaria-Toxine: 25 Handelsprodukte aus Norditalien, 2025 — ganze Samen 545–1.250 µg/kg, die drei geschälten Proben höchstens 64 µg/kg. (Bertuzzi u. a. 2026)
- Geregelte Mykotoxine: Samen italienischer Sorten, 2018–2022, Probenzahl nicht angegeben — Aflatoxine und Ochratoxin A selten, Alternaria-Toxine in hohen Gehalten. (Lanzanova u. a. 2024)
- Salmonellen: Ausbruch in Deutschland 2010 mit 15 gemeldeten Fällen von Salmonella Montevideo; als Quelle galt ein Nahrungsergänzungsmittel mit Hanfsamenmehl als Hauptzutat. (Stöcker u. a. 2011)
- Cadmium: in einer Übersicht zitierte Studien — Griechenland und Türkei unter 0,12 mg/kg Trockenmasse, Rumänien 1,3–4,0 mg/kg. (Matyjaszczyk, Śmiechowska 2026)
Zum Nachschlagen: Rechtliche Einordnung
- Novel Food: Hanfsamen, Hanfsamenöl und Hanfsamenmehl gelten nach Auskunft von BfR und BVL nicht als neuartige Lebensmittel. (BfR 2022)
- THC: 3,0 mg/kg Δ9-THC-Äquivalente für Hanfsamen und verarbeitete Hanfsamenerzeugnisse außer Öl, 7,5 mg/kg für Hanfsamenöl; VO (EU) 2023/915, Anhang I Nr. 2.6, eingeführt durch VO (EU) 2022/1393, gültig seit 01.01.2023. (BVL 2025)
- Anbau: Die GAP-Verordnung (EU) 2021/2115 erfasst Hanfsorten aus dem gemeinsamen Sortenkatalog mit höchstens 0,3 % Gesamt-THC. (EFSA 2025)
- Deutschland: „Der Umgang mit Cannabissamen ist erlaubt, sofern die Cannabissamen nicht zum unerlaubten Anbau bestimmt sind." (KCanG § 4)
Zum Nachschlagen: Was in die Anfrage gehört
- Ware: geschält, bio oder konventionell, Menge, Gebinde
- Spezifikation: Fett, Protein, zulässiger Anteil an Bruch und Restschale
- Analysenzertifikat je Charge: Δ9-THC-Äquivalente, Salmonellen, Mykotoxine einschließlich Ochratoxin A und Alternaria-Toxinen, Cadmium, Pflanzenschutzmittelrückstände
- Frische: Erntejahr, Schäldatum, Peroxidzahl mit Analysendatum
- Herkunft: Anbauland, Sorte
Literatur
- Ambroziak K, Wenda-Piesik A: Comparative Characterization of Hemp Seed Cakes from Dehulled and Hulled Cannabis sativa L. var. oleifera cv. 'Henola': Nutritional, Functional, and Storage Stability Insights. Foods, 2025. https://doi.org/10.3390/foods14091605
- Bertuzzi T u. a.: Alternaria Mycotoxins in the Hemp (Cannabis sativa L.) Food Chain. Toxins, 2026. https://doi.org/10.3390/toxins18050218
- BfR: Fragen und Antworten zu den gesundheitlichen Risiken von hanfhaltigen Lebensmitteln und Futtermitteln, Stand 15.11.2022. https://www.bfr.bund.de/veroeffentlichung/fragen-und-antworten-zu-den-gesundheitlichen-risiken-von-hanfhaltigen-lebensmitteln-und-futtermitteln/
Alle Quellen anzeigen (14 weitere)
- Burton RA u. a.: Industrial hemp seed: from the field to value-added food ingredients. Journal of Cannabis Research, 2022. https://doi.org/10.1186/s42238-022-00156-7
- BVL: FAQ Hanf, THC, CBD, aktualisiert 10.04.2025. https://www.bvl.bund.de/DE/Arbeitsbereiche/01_Lebensmittel/04_AntragstellerUnternehmen/13_FAQ/FAQ_Hanf_THC_CBD/FAQ_Cannabidiol_node.html
- Dräger H u. a.: Time Trends of Tetrahydrocannabinol (THC) in a 2008–2021 German National Survey of Hemp Food Products. Foods, 2022. https://doi.org/10.3390/foods11030486
- EFSA CONTAM: Derivation of a health-based guidance value for Δ8-THC and its occurrence in food. EFSA Journal, 2025. https://doi.org/10.2903/j.efsa.2025.9735
- EFSA NDA: Safety of Cannabis sativa L. extract as a novel food. EFSA Journal, 2026. https://doi.org/10.2903/j.efsa.2026.10319
- Farinon B u. a.: The seed of industrial hemp (Cannabis sativa L.): Nutritional Quality and Potential Functionality for Human Health and Nutrition. Nutrients, 2020. https://doi.org/10.3390/nu12071935
- Konsumcannabisgesetz (KCanG), § 4. https://www.gesetze-im-internet.de/kcang/__4.html
- Lanzanova C u. a.: Investigation on the presence of mycotoxins in seed hemp varieties. Food Additives & Contaminants A, 2024. https://doi.org/10.1080/19440049.2024.2311850
- Matyjaszczyk E, Śmiechowska M: Benefits and risks of consuming Cannabis sativa L. in food. Journal of Food and Drug Analysis, 2026. https://doi.org/10.38212/2224-6614.3578
- Mendoza-Pérez RJ u. a.: Physicochemical Characterisation of Seeds, Oil and Defatted Cake of Three Hempseed Varieties Cultivated in Spain. Foods, 2024. https://doi.org/10.3390/foods13040531
- Mierlita D: Assessment of nutritional and functional profile of whole, hulled and germinated hemp seeds. Frontiers in Nutrition, 2026. https://doi.org/10.3389/fnut.2026.1825902
- Ross SA u. a.: GC-MS analysis of the total Δ9-THC content of both drug- and fiber-type cannabis seeds. Journal of Analytical Toxicology, 2000. https://doi.org/10.1093/jat/24.8.715
- Stöcker P u. a.: Outbreak of Salmonella Montevideo associated with a dietary food supplement flagged in the RASFF in Germany, 2010. Eurosurveillance, 2011. https://doi.org/10.2807/ese.16.50.20040-en
- Tănase Apetroaei V u. a.: Hemp Seeds (Cannabis sativa L.) as a Valuable Source of Natural Ingredients for Functional Foods: A Review. Molecules, 2024. https://doi.org/10.3390/molecules29092097
Quellen geprüft am 11.10.2026; Text überarbeitet am 12.10.2026.