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Lindenblüten für Kräutertee können von Winter-, Sommer- oder Silberlinde stammen – für den Einkauf mehr als eine botanische Randnotiz.
Ein Tee, drei Bäume
Auf den ersten Blick ist Lindenblütentee ein einfacher Rohstoff: getrocknete Blüten, ein süßlicher Aufguss, pur getrunken oder als Teil einer Kräutermischung. Beim Einkauf zeigt sich allerdings, dass hinter dem einen Wort mehr steckt.
Das Deutsche Lebensmittelbuch beschreibt in seinem Eintrag zu Lindenblüten drei Arten: die Winterlinde, die Sommerlinde und die Silberlinde. In unserem Angebotsbestand finden sich Bezeichnungen wie „Steinlinde", „Silberlinde" oder schlicht „Lindenblüten" ohne nähere Artangabe.
Das ist kein Detail auf dem Etikett. Wer die Art nicht festlegt, bekommt womöglich mit der nächsten Lieferung eine andere Linde als mit der letzten.
Was man in der Hand hat
Zur Ware gehören neben den kleinen, gelblich-weißen Blüten auch die Hochblätter. Das sind längliche Blätter, die zum Teil mit der Blütenstandsachse verwachsen sind. Ihre Bruchstücke gehören laut Lebensmittelbuch zum typischen Erscheinungsbild von Lindenblüten.
Ist Ihnen das Verhältnis von Blüten zu Hochblatt wichtig, sollten Sie es eigens vereinbaren.
Den Duft beschreibt das Lebensmittelbuch als schwach aromatisch, den Geschmack als süßlich, das Mundgefühl als schleimig.
Winter-, Sommer- oder Silberlinde?
Für Kräutertee führt das Lebensmittelbuch alle drei Arten in einem gemeinsamen Eintrag.
Die Silberlinde lässt sich gegenüber Winter- und Sommerlinde schon am Erscheinungsbild abgrenzen. Ihre Hochblätter sind dicht behaart, und einige Staubblätter wirken wie kleine Blütenblätter. Winter- und Sommerlinde haben dagegen bleiche, gelblich-grüne Hochblätter mit einem feinen Adernetz.
Ob sich die Arten sensorisch systematisch unterscheiden, ist nicht belegt. Das Lebensmittelbuch beschreibt Geruch, Geschmack und Mundgefühl gemeinsam und nicht nach Art getrennt. Eine belastbare vergleichende Geschmacksstudie ist uns nicht bekannt.
Für den Einkauf ist die Art deshalb zunächst keine Qualitätsstufe, sondern eine Frage der Spezifikation: Wer ein Produkt über viele Chargen möglichst gleich halten will, sollte sie festlegen.
Enger ist die Auswahl bei Arzneibuchqualität. Die im EMA-Bewertungsbericht wiedergegebene Ph.-Eur.-Definition nennt als Stammpflanzen Winterlinde, Sommerlinde und ihre Kreuzung. Die Silberlinde gehört nicht dazu und wird bei der Prüfung auf fremde Arten abgegrenzt. Die richtige Art allein macht allerdings noch keine Arzneibuchqualität; dafür gelten weitere Anforderungen.
Die Artangabe lässt sich am Erscheinungsbild und mit analytischen Verfahren prüfen. Dass die Deklaration nicht immer selbstverständlich ist, zeigt eine Untersuchung von 30 Handelstees: Bei mehreren Produkten wichen Artangabe und analytische Zuordnung voneinander ab. Die Autoren weisen allerdings selbst auf Grenzen der verwendeten Methode hin (Melnyk et al. 2021).
| Winter- und Sommerlinde | Silberlinde | |
|---|---|---|
| Hochblatt | bleich, gelblich-grün, fein geadert | dicht behaart |
| Blütenblattartig wirkende Staubblätter | nein | ja |
| Für Kräutertee im Lebensmittelbuch beschrieben | ja | ja |
| In der zitierten Ph.-Eur.-Definition als Stammpflanze genannt | ja, ebenso ihre Kreuzung | nein |
| Sensorik | in den Leitsätzen nicht nach Art getrennt | in den Leitsätzen nicht nach Art getrennt |
Worauf es beim Einkauf sonst ankommt
Neben der Art zählen vor allem Sauberkeit, Trockenheit und Rückstände.
Für die ersten beiden nennt das Lebensmittelbuch Beurteilungswerte, die sich in eine Spezifikation übernehmen lassen:
- höchstens 2 Prozent Fremdbestandteile
- bei Lindenblüten in der Regel höchstens 2,5 Prozent säureunlösliche Asche in der Trockenmasse
- in der Regel höchstens 13 Prozent Masseverlust beim Erhitzen
Säureunlösliche Asche gibt Hinweise auf mineralische Verunreinigungen wie Erde und Sand. Der Masseverlust beim Erhitzen erfasst Wasser und andere flüchtige Bestandteile.
Diese Werte sind keine gesetzlichen Grenzwerte. Die Leitsätze beschreiben damit die allgemeine Verkehrsauffassung für die Ware.
Gesetzlich begrenzt sind unter anderem Pyrrolizidinalkaloide, kurz PA. Diese natürlichen Pflanzenstoffe können beispielsweise über mitgeerntete PA-bildende Pflanzen in die Ware gelangen.
Für getrocknete Kräutertees gilt nach EU-Recht grundsätzlich ein Höchstgehalt von 200 Mikrogramm pro Kilogramm. Er gilt ausdrücklich auch für die getrockneten Zutaten, aus denen Kräutertee hergestellt wird – also bereits für die Rohware. Ob ein Lieferant für jede Charge eine entsprechende Analyse bereitstellt, wird dagegen zwischen Käufer und Lieferant vereinbart.
Lindenblüten werden ganz und geschnitten angeboten. Einen Feinschnitt für Teebeutel weist Becayo derzeit (Stand 2026) nicht aus; er kann jedoch gezielt angefragt werden.
Wo bei den erfassten Angeboten eine Herkunft angegeben ist, liegt sie in Südost- und Osteuropa (Stand 2026). Bio-Ware ist im Netzwerk vertreten. Bei Bio-Anfragen sollte das aktuelle Zertifikat Teil der Prüfung sein; in Becayo ist es derzeit nicht zu jedem erfassten Angebot hinterlegt.
Ebenfalls für Kräutertee: Holunderblüten · Weißdornblüten
Lindenblüten anfragen
Damit wir Ihre Anfrage gezielt an passende Lieferanten weitergeben können, helfen diese Angaben:
- Art: Winterlinde, Sommerlinde, Silberlinde oder offen
- Qualität: Lebensmittelqualität oder Arzneibuchqualität
- Form: ganz, geschnitten oder Feinschnitt für Teebeutel
- Verhältnis Blüten/Hochblatt: falls für Ihr Produkt relevant
- PA-Analyse: zu jeder Charge gewünscht?
- Bio: ja oder nein, mit Zertifikat
- Menge und Liefertermin
Je genauer diese Punkte beschrieben sind, desto gezielter können wir passende Qualitäten und Lieferanten prüfen.
Quellen: Leitsätze für Tee, Kräuter- und Früchtetee (Deutsches Lebensmittelbuch, 2022) · Verordnung (EU) 2023/915 über Höchstgehalte für Kontaminanten, Anhang I · Europäisches Arzneibuch, Monographie Lindenblüten (0957), zitiert nach EMA-Bewertungsbericht EMA/HMPC/337067/2011 · Melnyk N. et al. (2021), Food Chemistry 346:128929 · BfR, Fragen und Antworten zu Pyrrolizidinalkaloiden (2022). Geprüft am 11.09.2026.