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Mönchspfeffer

Vitex agnus-castus

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Inhalt (8)
  1. Sieht aus wie Pfeffer, steht im Arzneibuch
  2. Wofür Mönchspfeffer gesucht wird
  3. Frucht, nicht Samen
  4. Von der Frucht zur Zubereitung
  5. Die Verwandten aus Asien
  6. Qualität und Prüfung
  7. Zum Nachschlagen: Was in die Anfrage gehört
  8. Literatur

Mönchspfeffer ist kein Pfeffer, sondern steht im Arzneibuch: wofür er gesucht wird, was Hersteller dürfen und was Einkäufer prüfen.

Sieht aus wie Pfeffer, steht im Arzneibuch

Hart, violett bis schwarz, halb vom grünen Kelch umschlossen: So beschreibt eine Arbeit von 2021 die Früchte von Vitex agnus-castus – und vergleicht sie mit Pfefferkörnern. Sie riechen aromatisch-würzig, und in jeder Frucht stecken vier Samen. (Berrani u. a. 2021)

Kahler Zweig des Mönchspfeffers mit zwei Büscheln reifer, dunkelvioletter bis schwarzer Früchte, die teils noch im hellen Kelch sitzen.
Reife Früchte am Strauch: dunkel, rund, halb vom Kelch umschlossen – gehandelt wird die ganze Frucht.H. Zell · CC BY-SA 3.0 · Wikimedia Commons

Den Pfeffer trägt die Frucht in mehreren Sprachen im Namen: Mönchspfeffer, schwedisch munkpeppar, niederländisch Monnikspeper. Mit echtem Pfeffer hat sie die Form gemein, nicht die Familie: Mönchspfeffer ist ein Lippenblütler, ein Strauch oder kleiner Baum bis fünf Meter Höhe, heimisch im europäischen Mittelmeerraum, in Zentralasien und in Teilen Indiens. (EMA, Monographie 2018, EMA, Bewertungsbericht 2018, Berrani u. a. 2021)

Amtlich beschrieben ist die Frucht in Europa als Arzneidroge, Agni casti fructus – im Europäischen Arzneibuch (Ph. Eur.) und in einer EU-Monographie der Europäischen Arzneimittel-Agentur EMA. (EMA, Monographie 2018)

GesuchtWorauf achten
Droge für Arznei oder Extraktganze, reife, getrocknete Frucht; Casticin mindestens 0,08 %
„Mönchspfeffersamen"klären, ob die ganze Frucht gemeint ist
ArtV. agnus-castus, nicht V. rotundifolia oder V. trifolia
Nahrungsergänzungkeine Werbung mit Krankheitsbezug; keine zugelassene gesundheitsbezogene Angabe

Randnotiz: Die EMA ordnet Mönchspfeffer den Lippenblütlern (Lamiaceae) zu, „früher Verbenaceae". Die Arbeit von 2021 führt ihn noch bei den Eisenkrautgewächsen. (EMA, Bewertungsbericht 2018, Berrani u. a. 2021)

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Wofür Mönchspfeffer gesucht wird

Die EU-Monographie führt für Zubereitungen aus der Frucht nur ein Anwendungsgebiet an, in zwei Fassungen: das prämenstruelle Syndrom, also Beschwerden in den Tagen vor der Menstruation. Unter „well-established use" gilt es für einen Trockenextrakt, unter „traditional use" für die vier übrigen Zubereitungen. Für die erste Fassung nennt der Bewertungsbericht eine klinische Studie als wissenschaftliche Grundlage; die zweite beruht laut Monographie allein auf langjähriger Anwendung. Ihre Dosierungen gelten für erwachsene Frauen. Den Wortlaut zeigt die Tabelle, die Übersetzung in Klammern ist unsere. (EMA, Monographie 2018, EMA, Bewertungsbericht 2018)

EinstufungAnwendungsgebiet laut EU-Monographie (Wortlaut)
well-established use„Herbal medicinal product for the treatment of premenstrual syndrome" (pflanzliches Arzneimittel zur Behandlung des prämenstruellen Syndroms)
traditional use„Traditional herbal medicinal product for the relief of minor symptoms in the days before menstruation (premenstrual syndrome)" (traditionelles pflanzliches Arzneimittel zur Linderung leichter Beschwerden in den Tagen vor der Menstruation), „exclusively based upon long-standing use" (ausschließlich aufgrund langjähriger Anwendung)

Verwendet und beworben wird Mönchspfeffer auch im Zusammenhang mit den Wechseljahren; die EU-Monographie führt dieses Anwendungsgebiet nicht. Der Bewertungsbericht hat zwei Veröffentlichungen dazu gesichtet – beide zu ätherischen Ölen aus der Pflanze – und hielt die Daten für ein Anwendungsgebiet unter „well-established use" nicht für ausreichend, weil kontrollierte klinische Studien fehlten. Dasselbe gilt etwa für Störungen der Monatsblutung und für Akne. (EMA, Bewertungsbericht 2018)

Wofür Mönchspfeffer verwendet wird, zeigen zwei Erhebungen. In der Datenbank PhytoVIS (Befragungen in Apotheken und Hausarztpraxen 2014–2016) nannten 97,1 Prozent der Frauen, die bei Menstruationsbeschwerden ein pflanzliches Arzneimittel als Einzelpräparat nahmen, Mönchspfeffer; bei Wechseljahresbeschwerden waren es 9,7 Prozent, weit hinter der Traubensilberkerze mit 79,1 Prozent. Nahrungsergänzungsmittel erfasst die Datenbank nicht. In Instagram-Beiträgen, die Präparate für die Wechseljahre bewerben, gehört Mönchspfefferextrakt zu den häufigen Zutaten (Auswertung 2026); die Studienlage dazu nennt die Arbeit uneinheitlich. (Drebka u. a. 2026, Eubanks und Shvartsman 2026)

Was das für Hersteller heißt – rechtlich in Kürze:

  • Arzneimittel oder Lebensmittel: Die Anwendungsgebiete der Monographie gelten für pflanzliche Arzneimittel, also für eine Zulassung oder Registrierung nach der Arzneimittel-Richtlinie 2001/83/EG. Planst du ein Nahrungsergänzungsmittel, gilt Lebensmittelrecht: Es muss spätestens beim ersten Inverkehrbringen mit einem Etikettmuster beim Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) angezeigt werden (§ 5 NemV) und darf nach dem BVL nicht mit Aussagen beworben werden, die sich auf die Beseitigung, Linderung oder Verhütung von Krankheiten beziehen. (EMA, Monographie 2018, § 5 NemV, BVL)
  • Gesundheitsbezogene Angaben: Für Vitex ist im EU-Register keine zugelassen; vier beantragte stehen bei der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) auf der Liste der zurückgestellten Angaben („on hold", Stand 30.09.2026). Solche Angaben dürfen nach dem Urteil des Gerichtshofs der EU (EuGH) vom 30. April 2025 (C-386/23, Novel Nutriology) derzeit nicht verwendet werden, außer die Übergangsvorschriften der Health-Claims-Verordnung (VO (EG) Nr. 1924/2006) erlauben es. Hersteller von Nahrungsergänzungsmitteln dürfen die Anwendungsgebiete der Monographie deshalb weder in der Kennzeichnung noch in der Werbung verwenden. (EU-Register, EFSA, EuGH, Rechtsprechungsübersicht April 2025)
  • Stoffliste: Die Stoffliste des Bundes und der Länder führt die Frucht von V. agnus-castus als Arzneistoff und in Liste B – nach dem Vorwort unter anderem für Stoffe, die nur in Nahrungsergänzungsmitteln verwendet werden und zugleich als Arzneistoff bekannt sind. Die Stofflisten sind nicht rechtsverbindlich. (BVL, BVL, Vorwort 2025)
  • Novel Food: Im EU-Novel-Food-Katalog steht V. agnus-castus nicht (Stand 30.09.2026). Die Stoffliste vermerkt für die Frucht „Not NFS"; nach dem Vorwort steht das für Stoffe, die nur in Nahrungsergänzungsmitteln verwendet werden, „ansonsten jedoch neuartige Lebensmittel sind". Für Tee oder andere Lebensmittel klärst du den Novel-Food-Status deshalb vor dem Einsatz. (Novel-Food-Katalog, BVL, Vorwort 2025)
  • Stand der Monographie: Die Monographie von 2018 wird seit dem 15. Februar 2024 überprüft; auf der Seite der EMA war am 4. Oktober 2026 kein Entwurf einer Revision 2 aufgeführt. (EMA)

Frucht, nicht Samen

Laut dem Bewertungsbericht der EMA definiert das Arzneibuch die Ware als ganze, reife, getrocknete Frucht von Vitex agnus-castus (Ph. Eur. 2147). Gefordert sind mindestens 0,08 Prozent Casticin, ein Flavonoid, bezogen auf die getrocknete Droge. Für den Trockenextrakt aus der Frucht (Ph. Eur. 2309) sind es mindestens 0,10 Prozent. (EMA, Bewertungsbericht 2018)

Ein Häufchen getrockneter, graubrauner, runder Früchte auf heller Unterlage, daneben einzelne Früchte, an einigen hängt noch der Kelch oder ein Stielrest.
Getrocknete Mönchspfefferfrüchte, die Arzneidroge Agni casti fructus – so sieht die Handelsware aus.Maša Sinreih in Valentina Vivod · CC BY-SA 3.0 · Wikimedia Commons

Im Handel heißt die Ware auch „Mönchspfeffersamen". Bei Becayo stehen Angebote unter Mönchspfeffer und unter Mönchspfeffersamen, dort ganz und gemahlen, teils als BIO ausgezeichnet (Stand 02.10.2026). Ob die ganze Frucht gemeint ist, sagt der Name nicht. Wer „Samen" anfragt, hält deshalb in der Spezifikation fest, dass die ganze Frucht gemeint ist – sie ist die Ware, die das Arzneibuch beschreibt.

Von der Frucht zur Zubereitung

Die EU-Monographie (Revision 1, 2018) nennt fünf Zubereitungen aus der Frucht: einen Trockenextrakt, den sie unter „well-established use" führt, und vier unter „traditional use" – die gepulverte Droge, eine Tinktur und zwei weitere Trockenextrakte. Laut dem Bewertungsbericht von 2018 war eine dieser Tinkturen in Österreich seit 1968 und in Deutschland seit 1976 als Arzneimittel im Verkehr. (EMA, Monographie 2018, EMA, Bewertungsbericht 2018)

Zubereitungen aus der Mönchspfefferfrucht nach der EU-Monographie, Revision 1 (2018) — Aus der ganzen Frucht entstehen ein Trockenextrakt unter well-established use sowie unter traditional use die gepulverte Droge, eine Tinktur und zwei weitere Trockenextrakte.

Die Verwandten aus Asien

In Asien wird die Frucht anderer Vitex-Arten als Droge genutzt – von V. rotundifolia und V. trifolia. Ihre Inhaltsstoffe und ihr Aussehen gleichen denen des Mönchspfeffers so sehr, dass sie sich nach einer Arbeit von 2016 kaum unterscheiden lassen; mit international gewordenen Lieferketten kann deshalb die botanische Herkunft falsch zugeordnet werden. Die Arbeit fand für beide Drogen eigene Leitsubstanzen – Marker, an denen sich die Drogen unterscheiden lassen –, nachweisbar mit hochauflösender Massenspektrometrie (LC/MS), und nutzte zusätzlich eine DNA-Sequenzierung. (Masada 2016)

Bei Becayo steht V. rotundifolia als eigener Rohstoff: Mönchspfeffer chinesisch. Eine dritte Art, V. negundo, führt der EU-Novel-Food-Katalog als noch nicht zugelassenes neuartiges Lebensmittel (Stand 30.09.2026). (Novel-Food-Katalog)

Qualität und Prüfung

Prüfkriterien:

  • Art: Vitex agnus-castus, mit Angabe der Identitätsprüfung im Analysenzertifikat. Bei Zweifeln oder gemahlener Ware: Leitsubstanzen oder DNA, wie oben beschrieben.
  • Ware: ganze, reife, getrocknete Frucht – bei „Samen" nachfragen.
  • Gehalt: Casticin mindestens 0,08 Prozent in der getrockneten Droge (Ph. Eur. 2147); beim Trockenextrakt mindestens 0,10 Prozent (Ph. Eur. 2309).
  • Mikrobiologie: Salmonellen im Analysenzertifikat ausweisen lassen – 2026 betraf eine Meldung im EU-Schnellwarnsystem RASFF Mönchspfeffer in Pferdefutter. (RASFF Window)

Zum Nachschlagen: Was in die Anfrage gehört

Eine Mönchspfeffer-Anfrage ist eindeutig, wenn sie Art, Ware und Zweck nennt.

  • Art – Vitex agnus-castus
  • Ware – ganze Frucht oder gemahlen; bei „Samen" die Frucht bestätigen
  • Zweck – Arzneimittel, Extraktion, Nahrungsergänzung oder Futtermittel
  • Qualität – Arzneibuchqualität ja oder nein, Casticin im Analysenzertifikat
  • Herkunft und Bio – Land, Charge, Zertifikat
  • Analysen – Identität, Mikrobiologie, Pestizide
  • Menge und Lieferzeitraum

Literatur

  • EMA/HMPC: European Union herbal monograph on Vitex agnus-castus L., fructus, Revision 1, EMA/HMPC/606742/2017, 2018. ema.europa.eu
  • EMA/HMPC: Assessment report on Vitex agnus-castus L., fructus, EMA/HMPC/606741/2018, 2018. ema.europa.eu
  • EMA: Agni casti fructus, Stand der Bewertung (abgerufen 04.10.2026). ema.europa.eu
Alle Quellen anzeigen (13 weitere)
  • Drebka A, Scholl AJ, Ochs T, Kelber O, Mösges R, Bachmeier BE: Trends and Patterns for the Use of Herbal Medicinal Products for Gynaecological Ailments. Phytother Res 2026;40(6):3580–3594. doi:10.1002/ptr.70321
  • Eubanks AA, Shvartsman K: Social Media and Supplements for Menopausal Symptoms: A Content Analysis. BJOG 2026 (nur Zusammenfassung eingesehen). doi:10.1111/1471-0528.70242
  • Berrani A u. a.: Phenolic Compound Analysis and Pharmacological Screening of Vitex agnus-castus Functional Parts. BioMed Res Int 2021. doi:10.1155/2021/6695311
  • Masada S: Authentication of the botanical origin of Western herbal products using Cimicifuga and Vitex products as examples. J Nat Med 2016;70:361–375. doi:10.1007/s11418-016-1006-0
  • Verordnung über Nahrungsergänzungsmittel (NemV), § 5 Anzeige (abgerufen 04.10.2026). gesetze-im-internet.de
  • BVL: Nahrungsergänzungsmittel vs. Arzneimittel (abgerufen 04.10.2026). bvl.bund.de
  • BVL: Stoffliste des Bundes und der Bundesländer, Pflanzenliste L–Z, 2. Aufl. 2020, und Informationen zur Verwendung. bvl.bund.de
  • BVL: Vorwort zu den Stofflisten des Bundes und der Bundesländer, 4. Aufl., 2025. bvl.bund.de
  • EU-Kommission: Novel-Food-Katalog (abgerufen 30.09.2026). ec.europa.eu
  • EU-Kommission: RASFF Window (abgerufen 30.09.2026). webgate.ec.europa.eu
  • EU-Kommission: Register der gesundheitsbezogenen Angaben (abgerufen 30.09.2026). ec.europa.eu
  • EFSA: Health claims (Art. 13) und Liste „Questions on hold – Botanical claims". efsa.europa.eu
  • Gerichtshof der Europäischen Union: Monthly Case-Law Digest, April 2025, S. 39–41 (Urteil vom 30. April 2025, C-386/23, Novel Nutriology). curia.europa.eu

Quellen geprüft 30.09.–04.10.2026.

Auch bekannt als

Vitex agnus-castusAgnus CastusChasteberryMönchspfefferAbraham's BalmKeuschheitsbaum

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