Inhalt (9)
- Wie die Blaue Lupine zur Süßlupine wurde
- Warum Lupinen wieder gefragt sind
- Lupinenkaffee: geröstete Samen als Kaffee-Ersatz
- Eiweißfutter für Tiere
- Qualität und Prüfung
- Zum Nachschlagen: Einordnung
- Zum Nachschlagen: Alkaloidgehalte in Lupinenlebensmitteln
- Zum Nachschlagen: Was in die Anfrage gehört
- Literatur
Lupinensamen blau: Samen der Blauen Lupine, ein Eiweißrohstoff für Mehl, Lupinenkaffee und Tierfutter. Was zählt: Alkaloidgehalt und Allergen.
Lupinensamen blau sind die Samen der Blauen oder Schmalblättrigen Lupine (Lupinus angustifolius), einer Hülsenfrucht. Ganze Samen enthalten rund 30 bis 40 Prozent Eiweiß. Gekauft werden sie als Eiweißrohstoff: gemahlen zu Mehl für Brot und Pasta, geröstet als Lupinenkaffee und vor allem als Eiweißfutter für Nutztiere und Fischzucht. (Garg u. a. 2022)
Gehandelt werden vor allem die Weiße, die Blaue und die Gelbe Lupine; im Katalog stehen die Blaue und die Weiße. Jede Art kommt als Süß- oder Bitterlupine vor. Die Bitterstoffe sind Chinolizidinalkaloide. Süßlupinen sind auf niedrige Gehalte gezüchtet, frei von Alkaloiden sind sie nicht. Als Süßlupine gelten häufig Sorten bis 500 mg/kg, als Bitterlupine solche ab 10.000 mg/kg. Bitterlupinen werden vor dem Verzehr entbittert, also gewässert und gekocht, bis die Alkaloide ausgewaschen sind. Der Farbname meint die Blüte, nicht den Samen; im Handel heißt die Ware auch „blaublühend". (BfR 2025)
| Lupinensamen blau | Lupinensamen weiß | |
|---|---|---|
| Art | Lupinus angustifolius | Lupinus albus |
| Samen | kleiner; 1.000 Samen wiegen etwa halb so viel | groß, flach, cremefarben; 1.000 Samen wiegen 350–400 g |
| Eiweiß | 30–40 % (ganze Samen); weniger als Weiß | 33–47 % (Trockenmasse) |
| Hauptalkaloide | Lupanin, 13α-Hydroxylupanin, Angustifolin | Lupanin, Albin, 13α-Hydroxylupanin |
Worauf es beim Einkauf ankommt:
- Süßlupine belegen lassen. Das BfR stuft die Wahrscheinlichkeit gesundheitlicher Beeinträchtigungen durch Lupinenalkaloide für die Allgemeinbevölkerung als „mittel" ein. Für diese Alkaloide (Chinolizidinalkaloide) gibt es in Lebensmitteln in der EU keinen Höchstgehalt und keine verbindliche Grenze zwischen süß und bitter. Entscheidend ist der Gesamtalkaloidgehalt der Charge im Analysenzertifikat.
- Das Allergen einplanen. Lupine gehört in der EU zu den 14 kennzeichnungspflichtigen Allergenen. Laut BfR reagiert etwa jeder fünfte Erdnussallergiker auch auf Lupinen.
- Art und Verwendungsbereich nennen. Blaue und Weiße Lupine unterscheiden sich in Eiweiß, Alkaloiden und Samengröße; für Lebensmittel und Futter gelten verschiedene Regeln. (BfR 2025)
Wie die Blaue Lupine zur Süßlupine wurde
Die Blaue Lupine ist eine junge Kulturpflanze. Ihre Domestikation begann Anfang des 20. Jahrhunderts in Deutschland. Die erste vollständig domestizierte Sorte kam in den 1960er-Jahren aus Australien: wenig Alkaloide, Hülsen, die bei der Reife nicht aufplatzen, Samen, die Wasser aufnehmen, und eine frühe Blüte. Heute ist sie die meistangebaute Lupine der Welt. Laut FAO-Daten von 2021 stellt sie rund 85 Prozent der angebauten Lupinen, auf über 750.000 Hektar, die meisten davon in Australien. Verfüttert wird die Ernte vor allem an Nutztiere und in der Fischzucht. (Garg u. a. 2022)
Süß heißt aber nicht gleichbleibend. Über alle Sorten, süße wie bittere, reicht der Alkaloidgehalt der Blauen Lupine von 15 bis 25.000 mg/kg. Auch innerhalb einer Sorte verschieben ihn Trockenheit, Temperatur und Licht; Hitze während der Samenreife kann ihn erhöhen. Für den Einkauf heißt das: Ein Sortenname ersetzt keine Analyse der Charge. (BfR 2025)
Warum Lupinen wieder gefragt sind
Lupinensamen gewinnen seit einigen Jahren an Bedeutung. Viele Menschen wollen weniger tierische Lebensmittel essen und suchen pflanzliche Proteinquellen; in der Tierhaltung sind heimische Futterpflanzen gefragt. In Deutschland fördert die Eiweißpflanzenstrategie des Agrarministeriums diese Entwicklung. Der Anbau von Süßlupinen hat laut Ministerium in den zehn Jahren bis 2023 stetig zugenommen. Laut BfR kamen im selben Zeitraum jährlich etwa 20 bis 44 neue Lebensmittel mit Lupine auf den deutschen Markt, mehr als die Hälfte davon Backwaren. (BfR 2025)
In Europa wuchs die Lupinenernte von rund 88.000 Tonnen im Jahr 2000 auf rund 458.000 Tonnen 2020, mit Polen und Deutschland vorn. Diese Zahlen umfassen alle Lupinenarten. (Pereira u. a. 2022)
Lupinenmehl und -schrot stecken heute in Brot, Nudeln, Backwaren und Proteinpulver, in Fleisch- und Milchersatz, in Aufstrichen, Eis und pflanzlichen Getränken. (BfR 2025)
Lupinenkaffee: geröstete Samen als Kaffee-Ersatz
Geröstete Lupinensamen ergeben einen Kaffee-Ersatz ohne Koffein. Im norditalienischen Dorf Altrei hat dieser Lupinenkaffee eine Tradition, die bis in die Mitte des 19. Jahrhunderts zurückreicht. Heute bieten ihn kleine und mittlere Unternehmen in Deutschland, Österreich und der Schweiz an. Auch die Blaue Süßlupine lässt sich dazu rösten; im Röstversuch von 2025 mit einer Sorte schmeckte der Kaffee kräftig geröstet und kaffeeähnlich, aber weniger vielschichtig als Bohnenkaffee. (Stranig u. a. 2025)
Beim Kaffee-Ersatz zählt der Alkaloidgehalt besonders. Lebensmittel mit hohem Lupinenanteil, also Mehl, Schrot und Kaffee-Ersatz, haben die höchsten Gehalte, in handelsüblicher Ware mehrere hundert bis tausend mg/kg. Für das Allergen gilt: In einem Versuch von 2024 war Lupineneiweiß nach dem Rösten über 195 °C im Labortest kaum noch nachweisbar; Lupineneiweiß gilt jedoch als weitgehend hitzestabil. An der Kennzeichnungspflicht ändert das nichts, und für Röstware ersetzt ein solcher Test nicht den Blick in die Rezeptur. (BfR 2025)
Eiweißfutter für Tiere
Weltweit dienen Lupinensamen vor allem als Eiweißfutter, als Alternative zu Ölsaatenschroten. Die EFSA hat die Risiken der Lupinenalkaloide im Futter unter anderem für Wiederkäuer, Schweine, Geflügel und Lachsfische bewertet. Laut EFSA sind nach dem EU-Katalog der Einzelfuttermittel nur Süßlupinen für die Fütterung vorgesehen; als Süßlupine gilt dort eine Ware mit höchstens 5 Prozent bitteren Samen. Für Futterhersteller heißt das: den Anteil bitterer Samen oder den Alkaloidgehalt im Zertifikat verlangen. (EFSA 2019)
Qualität und Prüfung
Was man am Muster sieht. Die Art: Samen der Blauen Lupine sind deutlich kleiner als die der Weißen Lupine; 1.000 Samen wiegen etwa halb so viel. Die Reinheit: Fremdsamen, Erde und Steine, Bruch, Schimmel, Schädlingsbefall. Der Geschmack: Bitterlupinen heißen so, weil ihre Samen bitter schmecken. Das ersetzt keine Messung, denn auch Süßlupinenware enthält Alkaloide, in Untersuchungen von Handelsware bis mehrere hundert mg/kg. Die Sichtprüfung ist eine Vorauswahl, kein Ersatz für das Analysenzertifikat. (BfR 2025)

Was nur das Labor zeigt.
- Gesamtalkaloidgehalt je Charge. Sorte, Standort und Witterung bestimmen ihn. Einen EU-Höchstgehalt für diese Alkaloide in Lebensmitteln gibt es nicht; zur Orientierung gelten Sorten bis 500 mg/kg häufig als Süßlupine. Wichtig ist auch, welche Alkaloide summiert wurden: Die Analytik erfasst nur einen Teil der über 170 bekannten Verbindungen.
- Phomopsine, Stoffe, die der Pilz Diaporthe toxica bildet. Lupinen sind sein Hauptwirt. Erfrage, ob die Charge darauf untersucht ist.
- Pflanzenschutzmittelrückstände nach VO (EG) Nr. 396/2005, mit Höchstgehalten je Wirkstoff; wo keiner festgesetzt ist, gilt 0,01 mg/kg. Das Zertifikat sollte Rückstände je Wirkstoff ausweisen.
- Schwermetalle und weitere Mykotoxine nach Spezifikation im Zertifikat.
Herkunft und Erntejahr gehören ins Zertifikat, weil Witterung und Standort den Alkaloidgehalt verschieben. (BfR 2025)
Zum Nachschlagen: Einordnung
Für Chinolizidinalkaloide in Lebensmitteln gibt es in der EU keinen rechtlich verbindlichen Höchstgehalt und keine verbindliche Grenze zwischen Süß- und Bitterlupine. Häufig gelten Sorten bis 500 mg/kg als Süßlupine, ab 10.000 mg/kg als Bitterlupine. Die EFSA bewertet die akute Aufnahme über einen Referenzpunkt von 0,16 mg Spartein je kg Körpergewicht; einen gesundheitlichen Richtwert konnte sie nicht ableiten. Einzelne Länder nannten 200 mg/kg: Ein britisches Beratungsgremium bewertete 1996 Samen der Blauen Lupine bis zu diesem Gehalt als sicher, Frankreich ließ Ende der 1990er-Jahre Mehl aus alkaloidarmer Weißer Lupine als Zusatz zu Weizenmehl bis 10 Prozent zu, mit höchstens 200 mg/kg, und Australien erlaubte nach Angaben von 2001 denselben Wert. (BfR 2025)
Lupinen und daraus gewonnene Erzeugnisse stehen als Nr. 13 in Anhang II der Lebensmittelinformationsverordnung (VO (EU) Nr. 1169/2011). Im Zutatenverzeichnis sind sie hervorzuheben, auch in kleinen Mengen; auch bei loser Ware ist das Allergen anzugeben. Laut BfR reagiert etwa jeder fünfte Erdnussallergiker auf Lupinen, und Lupinen können auch bei Menschen ohne vorherige Allergie eine Allergie auslösen. Im Labortest banden Antikörper von Allergikern an Eiweiß der Blauen, Weißen und Gelben Lupine ähnlich stark (Studie 2023). (BfR 2025)
Futtermittel: Im EU-Katalog der Einzelfuttermittel gilt als Süßlupine eine Ware mit höchstens 5 Prozent bitteren Samen. (EFSA 2019)
Zum Nachschlagen: Alkaloidgehalte in Lupinenlebensmitteln
Monitoring von Bund und Ländern 2022, Gesamtalkaloidgehalt in mg/kg der Angebotsform (Zahl der Proben mit messbaren Gehalten in Klammern; ohne Angabe der Lupinenart):
| Produkt | Median | Höchstwert |
|---|---|---|
| Lupinenmehl (12) | 346 | 2.677 |
| Lupinenschrot (13) | 305 | 4.968 |
| Lupinenkaffee (19) | 260 | 1.546 |
| vegetarische Ersatzprodukte (3) | – | 54 |
In einer Untersuchung von 30 Lupinenprodukten aus Nordrhein-Westfalen (2019–2021) lagen Süßlupinensamen, -mehl und -schrot bei 113 bis 609 mg/kg, zwei Proben Bitterlupinensamen bei 20.000 und 21.000 mg/kg, eine Probe Kaffee-Ersatz bei rund 1.200 mg/kg. Die EFSA nennt als mittlere Gehalte 429 mg/kg für getrocknete Lupinen und 331 mg/kg für Kaffee-Ersatz aus Lupinen. (BfR 2025)
Zum Nachschlagen: Was in die Anfrage gehört
- Verwendungsbereich: Lebensmittel, Nahrungsergänzung, Futtermittel, Kosmetik oder Arznei.
- Art: Blaue Lupine (Lupinus angustifolius), nicht Weiße Lupine.
- Süßlupine oder entbitterte Ware, mit Gesamtalkaloidgehalt je Charge; welche Alkaloide summiert, welche Methode.
- Form: ganz, Schrot oder Mehl; bio oder konventionell; Menge.
- Für Futter: Süßlupine im Sinne des EU-Katalogs der Einzelfuttermittel (höchstens 5 % bittere Samen).
- Analysenzertifikat: Alkaloide, Phomopsine, Pflanzenschutzmittelrückstände; Herkunft und Erntejahr.
Literatur
- BfR: Alkaloide und Allergien: Aktuelle Datenlage zu gesundheitlichen Risiken durch Lupinensamen in Lebensmitteln. Stellungnahme 035/2025, 2025. https://doi.org/10.17590/20250917-091537-0
- EFSA CONTAM Panel: Scientific opinion on the risks for animal and human health related to the presence of quinolizidine alkaloids in feed and food, in particular in lupins and lupin-derived products. EFSA Journal 17(11), e05860, 2019. https://doi.org/10.2903/j.efsa.2019.5860
- Garg G u. a.: A pan-genome and chromosome-length reference genome of narrow-leafed lupin (Lupinus angustifolius). The Plant Journal 111(5), 1252–1266, 2022. https://doi.org/10.1111/tpj.15885
Alle Quellen anzeigen (4 weitere)
- Stranig S u. a.: Flavour formation in the coffee substitute ‘lupin coffee' related to the formation of acrylamide. Food Chemistry: X 30, 102919, 2025. https://doi.org/10.1016/j.fochx.2025.102919
- González E u. a.: Variability within L. albus and L. angustifolius Seeds in Dietary Fiber Components. Foods 13(2), 299, 2024. https://doi.org/10.3390/foods13020299
- Pereira A, Ramos F, Sanches Silva A: Lupin (Lupinus albus L.) Seeds: Balancing the Good and the Bad and Addressing Future Challenges. Molecules 27(23), 8557, 2022. https://doi.org/10.3390/molecules27238557
- BVL: Überblick über die Kennzeichnung von Lebensmitteln. o. J., abgerufen 12.10.2026. https://www.bvl.bund.de/DE/Arbeitsbereiche/01_Lebensmittel/03_Verbraucher/02_KennzeichnungLM/01_Ueberblick/lm_kennzeichnung_lebensmittel_Ueberblick_node.html
Quellen geprüft am 12.10.2026.