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Kein echter Pfeffer, sondern ein Strauch aus Tasmaniens Regenwald: Beeren mit Schärfe und Taubheitsgefühl, die rot färben. Herkunft, Prüfung, EU-Status.
Scharf durch Polygodial
Polygodial, einen Scharfstoff des Tasmanischen Bergpfeffers, haben Chemiker 2015 im Grammmaßstab mit einer Espressomaschine gewonnen – einem unveränderten Haushaltsgerät. (Just u. a. 2015)
Polygodial ist ein anderer Scharfstoff als das Piperin des schwarzen Pfeffers: ein Dialdehyd, also ein Molekül mit zwei Aldehydgruppen, aus der Stoffklasse der Drimane. Eine Untersuchung von 2017 fand in den Beeren zwanzig Stoffe dieser Klasse. Ein Handbuch beschreibt den Geschmack so: zuerst sehr scharf, dann ein eigenartiges Taubheitsgefühl wie bei Szechuanpfeffer, dazu ein kräftig holziger Duft und ein Geschmack nach schwarzem Pfeffer mit zimtartigen Noten. (Mathie u. a. 2017, Ravindran u. a. 2014)
| Gesucht | Worauf achten |
|---|---|
| Beeren, ganz | Tasmannia lanceolata lateinisch angeben, Muster kosten |
| Blätter, gemahlen | eigene Ware, dicht verpackt lagern |
| „Bergpfeffer" ohne Zusatz | kann auch schwarzen Pfeffer meinen |
| Patagonia-Pfeffer | andere Gattung: Drimys winteri |
| Lebensmittel in der EU | Novel-Food-Status vorher klären |

Ein Strauch aus dem Regenwald
Tasmanischer Bergpfeffer wächst als Strauch von zwei bis fünf Metern, mit dunkelgrünen, aromatischen Blättern und kleinen, fleischigen schwarzen Beeren. Er ist in den Regenwäldern Tasmaniens und im Südosten des australischen Festlands heimisch. Rinde, Blätter und Beeren wurden dort seit Langem als Nahrung und Gewürz genutzt. (Seididamyeh u. a. 2023, Cáceres-Vélez u. a. 2022)

Botanisch gehört er zu den Winteraceae, einer kleinen Familie mit rund 105 Arten. Ihre Ordnung, die Canellales, steht in einem Stammbaum von 2021 als Schwestergruppe – also als nächste Verwandte – neben den Piperales, der Ordnung des echten Pfeffers. (Jo und Kim 2021)
In der Küche verwendet man getrocknete Beeren und getrocknete, gemahlene Blätter. Eine Untersuchung von 2010 führt beide unter den kommerziell angebauten australischen Gewürzen; Studien von 2022 und 2023 nutzten Blätter von Erzeugern in Tasmanien und Victoria. (Ravindran u. a. 2014, Kończak u. a. 2010, Seididamyeh u. a. 2023, Cáceres-Vélez u. a. 2022)
Randnotiz: Das Blatt ist eine eigene Ware, und für seine Lagerung gibt es Daten. In einem Versuch von 2013 verloren Bergpfefferblätter über sechs Monate bei Raumtemperatur in zwei mehrschichtigen Verbundfolien weniger als 30 Prozent ihrer flüchtigen Aromastoffe. Bei Zitronenmyrte aus demselben Versuch lag der Verlust in einfacher Polyethylenfolie bei 87 Prozent, in einer vierschichtigen Verbundfolie mit Metallfolie bei 23 Prozent. (Chaliha u. a. 2013)
Wie stark die Schärfe schwankt
In zwei Untersuchungen an tasmanischen Beständen schwankte der Polygodialgehalt der Blätter stark. In der ersten, von 2001, lag er bei 58 Pflanzen von zwölf Standorten in Tasmanien zwischen 0,11 und 2,9 Prozent der Blatttrockenmasse, mit Unterschieden auch innerhalb eines Standorts. Eine Arbeit von 2020 verglich Wildbestände aus verschiedenen Höhenlagen und fand zwei Chemotypen, also Pflanzen derselben Art mit unterschiedlicher Zusammensetzung: In feuchten Hartlaubwäldern enthielten die Blätter vor allem Polygodial, in subalpinen Wäldern andere Drimane und kein Polygodial. (Read und Menary 2001, Deans u. a. 2020)
Beide Messreihen gelten für Blätter, nicht für die gehandelte Beere. Vorsichtshalber gilt für Einkäufer: Ein Muster sagt nur etwas über seine Partie. Wer eine gleichbleibende Schärfe braucht, kostet jede Charge, fragt nach Erzeuger und Standort und kann einen Polygodialgehalt in die Spezifikation schreiben.
Eine Beere, die färbt
In Eintöpfen und Saucen gibt der Bergpfeffer eine kräftig rote Farbe ab. Die Beere enthält Anthocyane, eine Gruppe roter bis violetter Pflanzenfarbstoffe. In hellen Saucen, Dressings oder Käsezubereitungen kann er deshalb mitfärben; das lässt sich vorher am Muster prüfen. (Ravindran u. a. 2014, Kim u. a. 2025)
Das Handbuch nennt als Verwendung Marinaden aus zerstoßenen Beeren und Öl, dazu Brot, Pasta, Pasteten, Senf und Käse. (Ravindran u. a. 2014)
Verwechslungen: Patagonia-Pfeffer und „Bergpfeffer"
Ein älteres Synonym des Bergpfeffers ist Drimys lanceolata; seit einer Untersuchung von 2004 gelten Tasmannia und Drimys als getrennte Gattungen. (Doust und Drinnan 2004, Wikipedia, Namen)
Der nächste Doppelgänger kommt aus Chile: Die Früchte von Drimys winteri, dort Canelo genannt, ergeben ein sehr aromatisches Gewürz mit leichtem Kribbeln. Der Baum wächst in Chile und Argentinien und gilt in der Kultur der Mapuche als heilig. Im Katalog steht er als eigener Rohstoff, Patagonia-Pfeffer. (Barrientos u. a. 2023)
Auch das Wort „Bergpfeffer" allein reicht nicht: Es steht auch an einem Angebot für schwarzen Pfeffer aus Vietnam, also für Piper nigrum (Stand Oktober 2026). In die Anfrage gehört deshalb immer der lateinische Name.
Qualität und Prüfung
Die Sichtprüfung ist eine Vorauswahl, kein Ersatz für das Analysenzertifikat. Was geprüft wird und welche Grenzen über die gesetzlichen hinaus gelten, legen Käufer und Lieferant im Vertrag fest. Die folgenden Punkte gelten für die Beere.
Was man am Muster sieht:
- Ware: ganze getrocknete Beeren ohne Stiele, Blätter und andere Fremdbestandteile; zulässige Anteile an Fremdbestandteilen und Bruch im Vertrag festlegen
- Zustand: trocken, ohne sichtbaren Schimmel und Schädlingsbefall
- Sensorik: Muster kosten. Schärfe und Taubheitsgefühl prägen die Ware und können schwanken (für Blätter belegt, siehe oben)
- Farbe: eine Probe aufkochen, wenn die rote Färbung in der Rezeptur stören könnte
Was nur das Labor zeigt:
- Identität: ob es Tasmannia lanceolata ist und nicht Drimys winteri oder Piper nigrum; der lateinische Name gehört auf das Analysenzertifikat, die Prüfmethode wird mit dem Labor vereinbart
- Gehalt: Polygodial lässt sich bestimmen, wie die Messreihen oben zeigen; einen Zielwert vereinbaren Käufer und Lieferant
Welche Rückstände und Schadstoffe im Analysenzertifikat stehen sollen, richtet sich nach Herkunft, Wildsammlung oder Anbau und Trocknung. Die Werte der EU:
- Pflanzenschutzmittel: Gibt es für ein Erzeugnis keinen eigenen Rückstandshöchstgehalt, gilt der Standardwert von 0,01 mg/kg (VO (EG) Nr. 396/2005)
- Blei: für getrocknete Fruchtgewürze 0,60 mg/kg (VO (EU) 2023/915, Anhang I Nr. 3.1.26) – sofern die Beere als Fruchtgewürz eingeordnet wird; das regelt Anhang I der VO (EG) Nr. 396/2005 und sollte vorab mit dem Labor geklärt werden
- Ochratoxin A: für Gewürze 15 µg/kg (VO (EU) 2023/915, Anhang I Nr. 2.2.14) – sofern die Beere als Gewürz gilt; die Einordnung mit dem Labor klären
- Ethylenoxid (Summe mit 2-Chlorethanol, als Ethylenoxid): für Gewürze 0,1 mg/kg (VO (EU) 2015/868, Anhang V), ein Wert auf der Bestimmungsgrenze, also der kleinsten sicher messbaren Menge; die Anwendung ist in der EU verboten. Auch hier gilt: sofern die Beere als Gewürz eingeordnet wird
Für die Blätter hängt die Warengruppe davon ab, ob sie als Gewürz oder als getrocknetes Kraut gelten; das vorab mit dem Labor klären.
Ob die Beere ein neuartiges Lebensmittel ist, ist für die EU nicht abschließend geklärt; mehr unter Einordnung.
Zum Nachschlagen: Einordnung
Novel Food: Ob Tasmanischer Bergpfeffer ein neuartiges Lebensmittel ist, ist für die EU nicht abschließend geklärt. Bei einer Durchsicht am 11.10.2026 fand sich im öffentlich abrufbaren Novel-Food-Katalog der EU-Kommission weder Tasmannia lanceolata noch eine Drimys-Art, und die Liste der Konsultationen zum Novel-Food-Status nach Artikel 4 der VO (EU) 2015/2283 nannte keine der beiden. Der Katalog ist nach Angabe der Kommission nicht verbindlich und nicht vollständig. Neuartig ist nach ihrer Definition ein Lebensmittel, das vor dem 15. Mai 1997 in der EU nicht in nennenswertem Umfang verzehrt wurde; den Verzehr vor diesem Datum muss der Lebensmittelunternehmer nachweisen können. Für die geplante Verwendung klärst du den Status deshalb vor dem Einsatz. (Novel-Food-Katalog, Konsultationen, EU-Kommission, Novel Food)
Zum Nachschlagen: Was in die Anfrage gehört
- Art: Tasmannia lanceolata (Tasmanischer Bergpfeffer), nicht Drimys winteri und nicht Piper nigrum; lateinischer Name auch im Vertrag
- Pflanzenteil und Form: Beeren ganz oder gemahlen; Blätter als eigene Position
- Herkunft: Land, Region, Erzeuger; Wildsammlung oder Anbau; Trocknung
- Schärfe: Muster vor der Bestellung; wenn nötig Polygodialgehalt mit Analysenmethode
- Analysenzertifikat je Charge: Pflanzenschutzmittel, Blei, Ochratoxin A, Ethylenoxid, Fremdbestandteile, Feuchte
- Verwendung in der EU: Lebensmittel, Nahrungsergänzung oder anderes – für die Klärung des Novel-Food-Status
- Menge, Verpackung und Lieferzeitraum
Literatur
- Barrientos R. E. u. a.: Chemical Fingerprinting … of Canelo (Drimys winteri) Fruits. Foods 12(13):2580, 2023. https://doi.org/10.3390/foods12132580
- Cáceres-Vélez P. R. u. a.: Phytochemical and Safety Evaluations of Finger Lime, Mountain Pepper, and Tamarind in Zebrafish Embryos. Antioxidants 11(7):1280, 2022. https://doi.org/10.3390/antiox11071280
- Chaliha M. u. a.: Effect of packaging materials and storage on major volatile compounds in three Australian native herbs. J. Agric. Food Chem. 61(24):5738–5745, 2013. https://doi.org/10.1021/jf400845t
Alle Quellen anzeigen (15 weitere)
- Deans B. J. u. a.: Distinct Drimane Chemotypes in Tasmanian Mountain Pepper (Tasmannia lanceolata). J. Agric. Food Chem. 68(1):315–322, 2020. https://doi.org/10.1021/acs.jafc.9b05703
- Doust A. N., Drinnan A. N.: Floral development and molecular phylogeny support the generic status of Tasmannia (Winteraceae). Am. J. Bot. 91(3):321–331, 2004. https://doi.org/10.3732/ajb.91.3.321
- Jo S., Kim K.-J.: The complete plastome sequences of Pseudowintera colorata and Tasmannia lanceolata (Winteraceae – Canellales). Mitochondrial DNA B 6(1):104–105, 2021. https://doi.org/10.1080/23802359.2020.1847620
- Just J. u. a.: Practical isolation of polygodial from Tasmannia lanceolata. Org. Biomol. Chem. 13(46):11200–11207, 2015. https://doi.org/10.1039/c5ob01573a
- Kim W. u. a.: Effects of polyphenols from Tasmannia lanceolata on … pea protein. Food Chem. 464:141589, 2025. https://doi.org/10.1016/j.foodchem.2024.141589
- Kończak I. u. a.: Antioxidant capacity and phenolic compounds in commercially grown native Australian herbs and spices. Food Chem. 122(1):260–266, 2010. https://doi.org/10.1016/j.foodchem.2010.03.004
- Mathie K. u. a.: Structure-Pungency Relationships … of Drimane Sesquiterpenes in Tasmanian Pepper. J. Agric. Food Chem. 65(28):5700–5712, 2017. https://doi.org/10.1021/acs.jafc.7b02356
- Ravindran P. N. u. a.: Other herbs and spices: mango ginger to wasabi. In: Peter K. V. (Hg.): Handbook of Herbs and Spices, Woodhead, S. 557–582, 2012/2014. https://doi.org/10.1533/9780857095688.557
- Read C., Menary R.: Leaf extract and polygodial yield in Tasmannia lanceolata. J. Essent. Oil Res. 13(5):348–350, 2001. https://doi.org/10.1080/10412905.2001.9712229
- Seididamyeh M. u. a.: Valorisation of Three Underutilised Native Australian Plants. Foods 12(3):623, 2023. https://doi.org/10.3390/foods12030623
- EU-Kommission: Novel Food status Catalogue. https://food.ec.europa.eu/food-safety/novel-food/novel-food-status-catalogue_en
- EU-Kommission: Consultation process on novel food status. https://food.ec.europa.eu/food-safety/novel-food/consultation-process-novel-food-status_en
- EU-Kommission: Novel food. https://food.ec.europa.eu/food-safety/novel-food_en
- Wikipedia: Tasmannia lanceolata (nur Namen). https://en.wikipedia.org/wiki/Tasmannia_lanceolata
- Rechtsakte (Rechtstext nicht geöffnet, Werte nach unserem Rechtswerte-Blatt): VO (EG) Nr. 396/2005; VO (EU) 2015/868; VO (EU) 2015/2283; VO (EU) 2023/915
Geprüft am 11.10.2026.